Die „Verschmutzungsgeschichte“ der Wupper

Zeitzeugen erinnern sich

Der Ruf der Wupper konnte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schlechter nicht sein. Oftmals wurde sie als „stinkende Kloake“ bezeichnet, selbst die unmittelbare Nähe zum Ufer wurde gemieden. Bestätigt wird der Eindruck, wenn man das preisgekrönte Buch der späteren Hückeswagenerin Carola Lepping „Bela reist am Abend ab“ liest. Dort schildert Lepping die Jugenderlebnisse einer Wupper-Anrainerin an der Schwelle zum Erwachsenwerden. In eindrucksvollen Worten schildert sie immer wieder den unangenehmen Ausblick auf den Fluss.
Welche Dimension der Verschmutzungsgrad der Wupper damals  angenommen hatte, zeigt auch das ironische Selbstporträt "Mein Name ist Wupper -  Ich bin eine Schlampe", das im Jahr 1956 von dem Opladener Kurt Wurthmann im  Bergischen Heimatkalender veröffentlicht wurde. In drastischen Wort schildert  Wurthmann dort den unhaltbaren Zustand der Flusses.

Schaumteppich auf der Wupper. Das Bild wurde im Oktober 1975 aufgenommen und in Alfred Lauers Buch "Die Wupper" veröffentlicht *

Auch der Lenneper Peter Dominick schreibt auf seiner Internetseite www.wupperindustrie.de , dass die Wupper noch in den 1970er Jahren ein Fluss war, der in der Tat viele Probleme mit sich brachte. Eine der größten Miseren waren - neben der Verschmutzung - die Hochwässer in Winter und dann wieder heiße, trockene Sommer, die die Wupper zu einem Rinnsal zusammen- schrumpfen ließ. So geschah es, dass unterhalb von Wuppertal der Fluss mehr Abwasser als eigenes Wasser führte.

Der 1932 geborene Opladener Paul Fuhsbach nutzte eine der seltenen Perioden der Neuzeit aus, an denen der Fluss sauber war. „Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg habe ich in der Wupper hinter einer Anstauung bei Haus Vorst in Leichlingen schwimmen gelernt. Weil die Färbereibetriebe in Wuppertal zerstört bzw. noch nicht gearbeitet haben, war das Gewässer zu diesem Zeitpunkt klar.“

Auch in meiner Jugendzeit in der 1970er Jahren hieß es scherzhaft, wenn man ein weißes Handtuch färben wolle. müsse man nur an die Wupper fahren und es ins Wasser halten. Und mein Mitstreiter von “www.wuppertalsperre.net” Ralph Vesper erinnert sich: „Wenn man sich im Sommer in der Nähe der Wupper aufhielt, stank es fürchterlich.

Wo liegen die Ursachen?

Die frühe Nutzung der Wupper zur Energiegewinnung durch Wasserkraft und die im intensive industrielle Nutzung des Wassern durch stark umweltbelastende Betriebe, beispielsweise der Textilindustrie im Bergischen Land haben den Fluss in früherer Zeit stark belastet. Hinzu kamen die hohe Bevölkerungsdichte mit einem entsprechenden Bedarf an Nutz- und Trinkwasser.

Während eine Vielzahl von Mühlwerken entlang des Flusslaufes „nur“ einen Eingriff in natürlichen Verlauf des Bettes und damit in die Fließgeschwindigkeit der Wupper darstellten, kam mit Beginn der Industrialisierung die „chemische Keule“. So siedelten sich beispielsweise im Tal der Wupper zahlreiche Färbereibetriebe an, die dadurch zum Motor des industriellen Aufschwungs der Städte Barmen und Elberfeld wurden. Die Weichheit des Wupperwassers war bestens für die Zwecke der Textilverarbeitung geeignet. Die Schattenseiten waren dann aber die chemischen Abfallprodukte dieser Betriebe, die auf Grund nicht oder marginal vorhandener vorhandener Wasserschutzauflagen ungefiltert in die Wupper geleitet wurden.

Zusätzlich wurde der Fluss durch das ungefilterte Einleiten von Abwässern mit Fäkalien aus Privathaushalten belastet, krankheitserregende Bakterien feierten so fröhliche Urständ.

Gegenmaßnahmen ab der 2. Häfte des 20. Jahrhunderts

In neuerer Zeit werden – nicht zuletzt dank intensiver Bemühungen des im Jahr 1930 gegründeten Wupperverbands und immer schärferen Gesetzen – große Anstrengungen in die Verbesserung der Wasserqualität und des Ökosystems „Wupper“ gemacht. Die Einleitungs-und Entnahmebedingungen für Industriebetriebe wurden verschärft, Begradigungen und die Verrohrung des Flussverlaufs werden durch Renaturisierungsmaßnahmen rückgängig gemacht und die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren wurde durch gezielte Maßnahmen, etwa die Aussetzung von verschwundenen Fischarten wieder erhöht. Im Jahr 2003 fing man beispielsweise an, den Quellbereich der Wipper systematisch zu renaturisieren. Der Bau und der Betrieb von Klärwerken verhindert das ungefilterte Eindringen von Abwasser. Das Problem der Hoch- und Niedrigwasser wurde unter anderem auch mit der Bau der Wuppertalsperre gelöst. Eine Regulierung der Wassermenge sorgt seitdem für Abhilfe.

Die aktuelle Gesetzeslage

Mit Verabschiedung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRR) im September 2000 wurden nun europaweit einheitliche Vorgaben für den Gewässerschutz festgelegt.

Am 22. Dezember trat diese dann in Kraft. Die ganzheitliche Betrachtungsweise von länderübergreifenden Flussgebieten (z. B. Flussgebiet Rhein) und von Teileinzugsgebieten (z. B. Flussgebiet Wupper) schafft die Grundlage für einen effektiveren und nachhaltigen Gewässerschutz. Das Ziel der Richtlinie ist, bis zum Jahr 2015 europaweit einen “guten Zustand” aller Oberflächengewässer und des Grundwassers zu erreichen. Mit der Umsetzung der WRRL in nationales Recht wurde am 19. August 2002 mit der Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) begonnen.

Neuorientierung in der Betrachtung der Wasserverschmutzung

Die neue europäische Richtlinie macht deutlich, das man sich bezüglich der Bewertung des Verschmutzungsgrades nicht mehr alleine am Wasser orientiert. Hatte man bisher schwerpunktmäßig die Sauberkeit des fließenden Wassers betrachtet, wird zukünftig der Zustand des gesamten Gewässers beurteilt. Das heißt, die Bewertung umfasst nunmehr den Bestand an Fischen, Pflanzen, Kleinstlebewesen und Plankton, die Beschaffenheit von Gewässersohle und Ufer, die Durchgängigkeit für Wanderfische sowie chemische und physikalische Parameter.

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Das Gruppenklärwerk in Hückeswagen

Gruppenklärwerk Hückeswagen

* Das Buch "Die Wupper" ist im Verlag J.F.Ziegler, Remscheid 1987 erschienen.  Wir bedanken uns bei dem Autor und Fotografen Alfred Lauer für die Genehmigung  zur Veröffentlichung der Aufnahme, die uns am 21. August 2004 telefonisch erteilt wurde.

Text:Norbert Bangert
Quellen:
a) Wupperverband: Internetseite www.wupperverband.de
b) Peter Dominick: E-Mail und Internetseite www.wupperindustrie.de
c) Persönliche Gespräche mit Paul Fuhsbach (Leverkusen-Opladen), Ralph Vesper (Hückeswagen)
und eigene Erinnerungen