Die Hummeltenberger Mühle

Wenn von der Hummeltenberger Mühle die Rede ist, so darf man diese nicht mit der Hummeltenbergsmühle am Wiebach in der Ortschaft Kirschsiepen bei Ispingrade verwechseln. Während das Mühlengebäude am Wiebach noch heute existiert, sind die Gebäude und Anlagen der Hummeltenberger Mühle und später die Fabrikationsanlagen in den Fluten der Wuppertalsperre versunken. Im Volksmund hieß die Hummeltenberger Mühle auch „Kretzer Loch“.

Vom 28 April 1831 existiert ein erstes Dokument, aus dem hervorgeht, das Friedrich Schintgen seinem Sohn, dem Ackermann Carl Wilhelm Schingen, den Besitz übertragt. (Der Name des Vaters wird in dem Text mit einem zusätzlichen „t“ geschrieben) Dieser Besitz umfasst nicht nur das Mühlengebäude sondern auch Eigentum in der Hofschaft Hummeltenberg. Schaut man heute auf eine Karte, liegt diese an der Kreisstraße 11 etwa 300 Meter von der Wuppertalsperre entfernt, ein kleiner Weg führt talwärts an das gestaute Wasser.

5 Eine alte Postkarte aus dem Jahre 1928: Der obere Kreis markiert Hummeltenberg, der untere dagegen die Hummeltenberger Mühle

Der Sohn entschließt sich danach, eine Tuchfabrikation in der Mühle zu errichten, doch dazu benötigt er viel Energie. Also baut er ein kleines Wasser- werk, zu dem er am 7. Dezember 1838 die Genehmigung erhält. Ein anderer Erbe mit Namen „Brüning“ scheint dagegen Ein- spruch erhoben zu haben, dieser war aber mit der Ge- nehmigung erledigt.

1852 ersetzt er das Wasserrad durch eine leistungsstärkere Turbine. Überhaupt schien er expandieren zu wollen, denn er plante darüber hinaus eine Papierfabrik sowie eine Knochenstampf- und Mahlmühle, die mit einer Bäckerei verbunden ist. Ende des Jahres 1854 übernimmt jedoch der Müller und Heinrich Joseph Hubert Heymann das Ruder in der Hummeltenberger Mühle um nur zwei weitere Jahre später am 5. April 1856 für 4.900 Reichstaler alles an Cornelius und Franz Schnabel zu verkaufen.

Die Jahre 1856 und 1857 markieren den endgültigen Wendepunkt zur konsequenten industriellen Nutzung der Mühle. Die alte Turbine war für die Zwecke der Schnabels ungeeignet und wohl auch unbrauchbar. Eine moderne Turbine in einem neuen Fabrikgebäude wird installiert. Dazu kommt eine Gasbereitungsanlage, die Steinkohlengas für Beleuchtungszwecke in der Fabrik erzeugt. Übrigens wird an der Tuchfabrik Aue ein gleiches Gebäude mit gleichem Baustil errichtet. 1859 kommen dann noch zwei Dampfkessel dazu.

5 Die Hummeltenberger Mühle im Jahre 1973 kurz vor dem Abriss (Foto mit freundl. Genehmigung von Peter Jobke)

Im Jahr 1907 zieht die Tuchfabrikation aus der Hummeltenberger Mühle aus und kommt in die Schnabelsmühle. Stattdessen wird eine Wattefabrik eingerichtet, die Max Schnabel (1865 – 1952) betreibt. Die Wattefabrik befand sich direkt hinter dem Mühlen-Wohnhaus. Siegfried Berg schildert in einem Artikel in Leiw Heukeshoven, wie das Wasser eines Obergrabens der Wupper direkt durch das Haus fließt, wo im Keller das Wassermühlrad untergebracht war. Anschließend fließt es in die unmittelbar angrenzende Wattefabrik.

Diese Wattefabrik brennt zwar 1929 vollkommen aus, wird aber nochmals unter schwierigen Verhältnissen neu errichtet. 1932 erfolgen umfangreiche Umbauarbeiten, die in der vorliegenden Quelle etwas verwirrend dargestellt werden. Unter anderem wird ein Chemikalienlager errichtet, außerdem eine Kocherei und eine Bleicherei.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es 1965 und 1968 zu zwei Bränden. 1971/72 hat die letzte Stunde der Fabrik geschlagen: Sie wird wegen des Baus der Vorsperre der Wuppertalsperre abgerissen.

Quellen:
1. 900 Jahre Hückeswagen
2. Leiw Heukeshoven, Ausgabe 43 (2004); Siegfried Berg: Der letzte Obergraben der Wupper in Hückeswagen