Lager Hammerstein 1933 - 1945

Zum Thema ist eine 40-seitige Broschüre der Bergischen Zeitgeschichte erschienen. Die Broschüre gibt den momentanen Wissens-stand, unter Nennung aller Quellen, wider. Zwei Situationskarten und einige Fotos runden das Bild ab. Ebenfalls enthalten ist ein großer Teil der Interviews von Ilse Faeskorn mit August Hausmann.
Sie kostet 5,- Euro und ist über folgende Emailadresse zu beziehen (hinzu kommen 2,50 Euro für Porto und Verpackung - Verkauf im Namen und auf Rechnung der BZG):

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Ein dunkles Kapitel im Tal der Wupper stellt das Lager Hammerstein im früheren Hammersteinsoege dar. Es wurde in der ehemaligen Streichgarnfabrik der Lenneper Fabrikanten Engels & Oelbermann am 22. Juli 1933 als Lager des Freien Arbeitsdienstes (FAD) feierlich eingeweiht (Bergischer Beobachter vom 24.7.1933). Auch die Presse rief zu gemeinnütziger körperlicher Arbeit auf. Neben dem täglichen Einsatz bei Rodungsarbeiten der Genossenschaft Herweg waren Sport und Geselligkeit geplant. Zu Beginn sollte das Lager Platz für 190 junge Männer bieten. Jedoch bestand die Möglichkeit des Ausbaus, so dass letztlich von rund 500 Leuten die Rede war.

Am 26. Juni 1935 erfolgte der Übergang von Freiwilligen Arbeitsdienst zum obligatorischen Reichsarbeitsdienst (RAD). Doch in der Zeitung stand über das Lager nichts. Der bereits genannte Artikel zur Einweihung des Lagers war zugleich auch der letzte. Es wird schwierig, die Geschichte des Lagers in den folgenden Jahren zu verfolgen. Hinweise geben einzig diverse kurze Pressemitteilungen zu evangelischen Gottesdiensten im Lager. Diese Mitteilungen reichen bis in den Herbst des Jahres 1939 (Bergische Volkszeitung, BVZ vom 27.07.1933 bis 03.11.1939).

Eine vollkommen neue Situation entstand offensichtlich erst während des Zweiten Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen im September 1939. Der Zeitzeuge August Hausmann aus Dürhagen berichtet davon, dass ab 1940 polnische, später französische und ab 1941 vor allem sowjetische Kriegsgefangene dort untergebracht wurden (Interview mit Ilse Faeskorn, 1980). Weiter berichtet er von einem Eisenbahntransport mit rund 800 sowjetischen Kriegsgefangenen, der 1941/42 von Stablack, etwa 30 km südlich von Königsberg, über Wuppertal nach Bocholt durchgeführt wurde. Viele dieser Kriegsgefangenen waren in einem sehr schlechten körperlichen Zustand. Sie waren unterernährt, waren ansteckend krank, hatten Fleckfieber. Manche waren nicht mehr transportfähig. Diese Menschen sollen in Wuppertal ausgeladen und im Lager Hammerstein untergebracht worden sein. Aus dem ehemaligen Arbeitsdienstlager wurde also ein Kriegsgefangenenlager für vornehmlich sowjetische Kriegsgefangene. Die früheste offizielle Bezeichnung des Lagers lautete auch „Gefangenen-Lager Hammerstein Stalag VI.F Bocholt 108 in Hückeswagen, Kräwinklerbrücke, Hammerstein“.

Das Lager lag also auf Hückeswagener Gebiet und war demnach dem Arbeitsamt Remscheid unterstellt, was wichtig ist u.a. im Blick auf die Anzahl der im Lager internierten Gefangenen. Es gibt nämlich keine gesicherten Zahlen. Nach Aussagen von Zeitzeugen sollen während der Kriegsjahre bis zu 6500 Menschen dort untergebracht worden sein. Dies ist aus verschiedenen Gründen nicht zu belegen. Vergegenwärtigt man sich die damalige räumliche Situation, dürften es aber nicht mehr als ein paar hundert gewesen sein. Das Arbeitsamt Remscheid nennt in einer „Liste der Fremdarbeiter-Kommandos, die im Arbeitsamtsbezirk Remscheid vom 3.9.1939 – 8.5.1945 gestanden haben“ die Zahl 350. Allerdings ist auch das eine Schätzung, da die Liste aus dem Jahr 1948 stammt und es keine Dokumente aus der relevanten Zeit gibt.

Gearbeitet haben die Kriegsgefangenen unter anderem in den umliegenden Hammerwerken und bei der Reichsbahn. Franz Horn, Ehemann der damaligen Inhaberin von Haus Hammerstein, bekam den Auftrag, die Kriegsgefangenen mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Hausmann berichtet, Horn sei auch für die Verpflegung der umliegenden Lager verantwortlich gewesen, für die Versorgung von „6500 Personen“, für „die ganze Stahlindustrie, das ganze Remscheid“. Im Haus Hammerstein wurde für diese große Zahl aber nicht gekocht. In Remscheid soll Horn zwei Großküchen betrieben haben.

Das Ende des Krieges bedeutete für das Lager Hammerstein aber nicht gleich auch das Ende. Es wurde zunächst zum Sammelplatz für Fremdarbeiter aus der Umgebung. Am 4. August 1945 konnten die letzten sowjetischen Gefangenen in die Sowjetunion zurückkehren. Erst damit war das Lager Hammerstein aufgelöst.

Im direkten Zusammenhang mit dem Lager steht der sowjetische Ehrenfriedhof in Voßhagen. Hier „ruhen 44 Angehörige der sowjetrussischen Staaten“. Die meisten dieser Menschen haben im Lager Hammerstein gelebt und wurden von August Hausmann hier beerdigt.

2008-02-18

3 Ein Bild der alten Streich-garnfabrik (Filzfabrik) aus der 1930er Jahren. In ihr war das Lager Hammerstein unter-gebracht.

Quelle: E. Meskendahl, Rade-vormwald

Text: Wilfried Egerland und Ralph Vesper