Der “Mondstein” im Wiebachtal - eine legendäre und spannende Geschichte

Angefangen hat alles mit einer sehr alten Erzählung, die Otto Schell in seinem 1897 erschienenen Buch “Bergische Sagen” festgehalten hat.

Dort heisst es: “Wo das Wiebachtal in das der Wupper einmündet, liegen drei gewaltige Felsblöcke in der Wupper, wie große Schrittsteine. Über diese sollen vor undenklichen Zeiten die Riesen hingeschritten sein, wenn sie über die Wupper wollten. Diese Steine drehen sich noch herum, wenn sie das Neujahrsleuten der Glocken von Radevormwald (zwischen zwölf und ein Uhr in der Nacht) hören.”

Aus wissenschaftlicher Sicht hingegen hört sich das alles etwas nüchterner an. Im Bergischen Heimatanzeiger vom 5. Dezember 1985 heißt es:

Möglich ist, dass der Mondstein aus der Tertiärzeit stammt, der dritten erdgeschichtlichen Zeit, als sich die Erdfalten, Täler und Gebirge bildeten. Von einer Art Granitstein ist die Rede, damals aus dem Erdinneren herausgeschleudert. Wäre es die übliche bergische Grauwacke, wäre er längst vom Wupperwasser abgetragen ...”

Egal welcher der beiden Varianten Sie zugeneigt sind, noch heute schlummert der Mondstein im ehemaligen Wupperbett des Wiebachtals. Der ehemalige Bürgermeister Heino Janßen erinnert sich: “Das Areal, in dem der Stein liegt, nannte sich Himmelswiese!”

Im August 1981 gab es Überlegungen, den Mondstein bei dem damals geplanten Brunnen vor dem Bürgerhaus auf dem Schloßmacherplatz in Radevormwald in die Planungen mit einzubeziehen. So hatte beispielsweise die Wuppertaler Künstlerin Ulla Hees einen Entwurf gefertigt, beim dem eine Riesenhand den besagten Stein umklammert. Auch der Radevormwalder Heimatdichter Rudi Wohlfahrt machte sich für den Stein stark, Bürgermeister Janßen brachte dann diese Überlegungen im Rahmen einer Bauausschußsitzung mit ein.

Diese Idee ist jedoch nie verwirklicht worden, stattdessen wurde am 18. April 1986 die Arbeit des Radevormwalder Steinmetz Rolf Heinz eingeweiht. Dabei handelt es sich um übereinandergeschichtete Mühlsteine.

5 Der Mondstein im Radevormwalder Frowein- Park. (Fotos: Norbert Bangert 2004)

5 Ein Schild im Park direkt am Straßenrand erklärt den Fußgängern den geschichtlichen Hintergund.

Neuer Handlungsbedarf entstand, als im Jahre 1985 die Aufstauung der neuen Wuppertalsperre bald auch die “Himmelswiese” erreichen sollte. So entschloss man sich schließlich diesen “steinernden Schatz” zu bergen. Heimatkundler, Stadtarchiv und der Heimat- und Verkehrsverein (Radevormwald) waren doch noch an ihrem Ziel angelangt, dem Brocken einen würdigen Platz in der Stadt erhalten möge.

Doch der große Originalstein war zu schwer für eine Bergung. Gerettet wurde einer der sogenannten “mittleren Nachbarn”. Aber auch der “Kleine” wog immerhin an die fünf oder zehn Tonnen (die beiden großen ortsansässigen Zeitungen konnten sich wohl nicht einigen), so dass er mit einem Kranwagen unter Aufsicht des örtlichen Bauhofes zuerst geborgen und dann an seinen Bestimmungsort gebracht werden konnte.

Dieser Ort ist der Froweinpark an der Ecke Elberfelder Straße / Kölner Straße, wo eine Gedenktafel mit der Aufschrift “November 1985” kurz und knapp auf den Mondstein hinweist. Die tatsächliche Überführung fand am 29. November 1985 statt.

Quellen:

1. Heimatanzeiger vom Donnerstag, den 5. Dezember 1985 “Froweinpark-Ehrenplatz für mittleren Bruder”
2. Bergische Morgenpost vom 30. November 1985 “Steinkoloß wurde gestern geborgen”
3. Bergische Morgenpost vom 17. Juli 1998 “Verweilen, anschauen, nachsinnen
4. Bergische Morgenpost August 1981 “Kann der Mondstein einbezogen werden?” von Ernst Gerhard Richter
5. Heimat- und Verkehrsverein Radevormwald, Norbert Wolff mit einem Auszug aus dem Werk von Otto Schell 1897 “Bergische Sagen”
6. Mündliche Überlieferung von Heino Janßen, Oberönkfeld 23, 42477 Radevormwald im März 2002